Zwei-Welterbe-Weg rund um Becheln, 28 November 2021

  • Start: Bechel,Parkplatz am Friedhof
  • Länge: 12,8km
  • Markierung: keine durchgehende (noch nicht vollständig beschildert)
  • GPS Track: Link zu GPS-Tour.info
  • Aufgezeichnete Tracks sind Momentaufnahmen da Gegebenheiten vor Ort sich ändern können

Trip summary

Beim Stöbern im Internet habe ich ein paar neue Wanderwege auf lahntal.de entdeckt. Einer dieser Wege befindet sich im Nassauer Naturpark und eine Beschreibung mit GPX Datei finde ich auf tourenplaner-rheinland-pfalz.de Diese Info wurde vom Lahntal Tourismus Verband e.V. bereitgestellt.

Unterwegs nach Becheln regnet und schneit es abwechselnd, oder auch gleichzeitig. Ich parke mein Auto am Friedhof, gehe erst in Richtung Becheln und laufe dann am Sportplatz vorbei zur Strecke.

Nun folge ich dem Limesweg, das erste Welterbe der heutigen Wanderung. Nach dem Krieg mit dem germanischem Stamm der Chatten bauten die Römer die Grenze immer weiter aus indem sie mächtige Holzpalisaden errichteten, später Wachtürme erbauten und die Grenze zusätzlich durch Spitzgräben sicherten. Bei Grabungen um 1900 fand man Fundamente von zwei Wachtürmen bei Becheln: WP 2/6 (Info-Tafel).

…Informationen über den römischen Limes bei Becheln und Wegweiser am Limesweg

Der Nebel schwebt hartnäckig über dem Wald und die leichte Schneedecke hält sicherlich bis Mittag.

Hinter der Bank sieht man schon den nächsten Wachposten 2/7.

Dieser Wachturm war aus Stein erbaut, hatte eine Seitenlänge von 5,40 Meter und eine Mauerdicke von 1 Meter. 4 bis 8 Mann lebten, schliefen und hielten Wache im oberen Geschoss. Der Eingang im ersten Obergeschoss war nur über eine Leiter erreichbar. Vorräte wurden im Erdgeschoss gelagert (Info-Tafel).

… die Reste des Wachposten 2/7 sind noch klar sichtbar

Der Limesweg ist schnurgeradeaus und zeigt die deutliche Handschrift der Römer.

Bei Ausgrabungen 1905 entdeckte man den Wachtposten 2/8 und das Kleinkastel Becheln. Neben der Unterbringung von Truppen, Material- und Proviantlagerung, dienten die Kleinkastelle manchmal auch zur Zoll- und Tributerhebung (Info-Tafel). Im Beitragsbild sieht man die Rekonstruktion des Kleinkastels.

Vor mir trifft der Limesweg auf die Strasse K8 und eine Tafel erzählt die Geschichte vom ‚Grauen Stein‘.

… zwei Grenzsteine als auch der angrenzende Wald tragen den Namen ‚Grauer Stein‘

Der alte ‚Graue Stein‘ wurde vermutlich vor dem 30Jährigen Krieg als Grenzstein zwischen dem kurmainzischen Oberlahnstein und dem zweiherrischen Amt Nassau gesetzt. Seitdem sind viele Geschichten um den Stein entstanden. Gesichert ist das er zwei Mal für längere Zeit verschwand. Einmal von 1909 bis 1926 wurde er nach Bechteln verschleppt. Beim zweiten Mal verschwand er für zehn Jahre bei einem Steinliebhaber in Singhofen. Eine angefertigte Kopie stand zeitweise an dieser Stelle und diese steht heute in der Ortsmitte von Bechteln (Info-Tafel)

Am ‚Grauen Stein‘ verlässt die Wanderstrecke den Limes der geradeaus weiter in Richtung Schweighausen verläuft. Die Wanderstrecke geht scharf nach rechts an der K8 entlang und dann links in den Wald hinein.

Es folgt eine ruhige Strecke über breite Waldwege. Bald erreiche ich die L333 und somit den ‚Alten Bahndamm‘. Die Nassuische Kleinbahn war vor rund 100 Jahren eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Rhein und Lahn. Sie ersetzte die viel langsameren Postwagen und Privatfuhrwerke (regionalgeschichte.net).

…die Wanderstrecke folgt dem alten Bahndamm

In der Ferne über den Bäumen sieht man den Ort Hinterwald.

Die alte Bahntrasse verlief einst von Braubach über Becheln nach Nastätten. 1901 wurde die erste Teilstrecke eröffnet und 1977 wurde der letzte Teil der Strecke stillgelegt (regionalgeschichte.net).

Unterwegs führt ein kleiner Abstecher zum zweiten Welterbe auf dieser Strecke: Oberes Mittelrheintal bei Braubach und der Blick auf die Marksburg. Fast hätte ich den schmalen Pfad übersehen. Oben steht eine Hütte mit einer Bank vor ihr. Ich mache eine längere Pause und geniesse den Ausblick.

Blick ins Rheintal und auf die Marksburg

Nach meiner Pause gehe ich zurück auf den Wanderweg und die Bahntrasse. Der Waldweg ist hier und an ein paar anderen Stellen wegen Waldarbeiten ziemlich ruiniert.

Doch bald bin ich wieder auf festem Boden und folge dem ehemaligen Weg der Nassauischen Kleinbahn.

Unverhofft biegt der Wanderweg ab und über eine Treppe gelangt man ins Tal. Mitten im Wald ’stolpert‘ man über den Viadukt, eine Brücke über den Mühlbach und dann den Zollbach für die Kleinbahn.

Viadukt Nassauische Kleinbahn

… es scheint das die Arbeiter einen letzten Gruss hinterlassenhaben: „Un die Maschin hot ausgepufft – ihr Dämpfche munter in die Luft – un hot gekloppt im flotte Takt — Mer hunns gepackt! — Mer hunns gepackt!“

Unterhalb des Viadukts überquert man den Bach und folgt einer Treppe hinauf wieder zum Wanderweg. Hier könnte man eine Abkürzung zurück nach Becheln nehmen.

Einige Meter weiter sieht man weitere Pfeiler der ehemaligen Brücke.

…am Wegesrand sieht man Zeitungsausschnitte aus der Zeit um 1900 die über Ereignisse die sich an der Nassauischen Kleinbahn zugetragen haben berichten

Nach einem leichten Anstieg findet man diesen Wegweiser nach Bad Ems. Im Jahre 2021 wurde der Kurort von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt (swr.de).

Der Weg nach Becheln geht nach rechts am Waldrand entlang weiter.

Der historische Grenzstein von 1724 steht an der ehemaligen Grenze von Becheln und dem dreiherrischen Amt Nassau (Oranien-Usingen-Weilburg) (Info-Tafel).

„Die seltenen Winkelsteine (Creuzsteine) wurden an markanten Richtungsänderungen der Grenze gesetzt“ (Info-Tafel)

..offenes Weideland

Neben dem Weideland und den zotteligen Tieren sieht man eine weitere Tafel mit Zeitungsberichten aus der Zeit um 1900 wo man unter anderem eine Belohnung für Wilderer auslobt.

Bisher war ich total alleine unterwegs. Um so näher ich an Becheln ran komme begegne ich auch Spaziergängern.

,,, von hier oben kann man weit in Richtung Braubach und Rheintal schauen

Vor mir erscheinen die ersten Häuser von Becheln.

Als erstes erreiche ich das Dorfgemeindschaftshaus Becheln an der Emser Strasse mit grossem Parkplatz. Dies ist der offizielle Startpunkt des ‚Zwei-Welterbe-Weges‘.

Neben der Info-Tafel steht dieses Schild ‚Imperium Romanum‘ welches zeigt wo das römische Reich beginnt. Da weiss man wenigstens auf welcher Seite der Grenze des Limes man steht! Fast erwartet man einen Soldaten der Einhalt gebietet.

,,, der blaue Turm neben der Info-Tafel wird die neue Wegemarkierung werden

In der Zeit von etwa 100 bis 260 nach Christus erstreckte sich der Limes vom Rhein bei Rheinbrohl bis zur Donau bei Regensburg. Dies waren mehr als 550 Kilometer mit etwa 900 Wachtposten und 120 Kastellen. Neben der Info-Tafel führt ein Pfad in den Wald hinein und bald erreicht man den Fundort des Wachtposten 2/5 (Wolfsbusch) (Info-Tafel).

Gegenüber des Wachtpostens 2/5 sieht man einen gut erhaltenen Limesverlauf. Bereits im 19. Jahrhundert konnte man bei Grabungen den Palisadengraben beobachten (Info-Tafel)

Eine weitere Hinweistafel zeigt mir den Weg zurück zum Kleinkastel und dem ‚Grauen Stein‘. Beim Sportplatz biege ich ab um wieder zum Friedhof zu gelangen.

…über Becheln zieht sich ein Sturm zusammen und über den Dächern kann man schneebedeckte Berge sehen.

Gerade rechtzeitig erreiche ich den Friedhof und mein Auto. Ein Schnee- und Eisregen hat eingesetzt. Schnell verstaue ich die matschigen Wanderschuhe und beginne die Heimreise.